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Schleifstein für Messer: Körnung, Auswahl und Anleitung

Welcher Stein für welches Messer, und wie du ihn richtig benutzt

 

Schleifstein für Messer: Körnung und Auswahl

 

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Wer zum ersten Mal einen Schleifstein kauft, steht vor einer Wand aus Zahlen: 400, 1000, 3000, 6000, Kombisteine, Wassersteine, Ölsteine, Diamant. Die gute Nachricht vorweg: Für die allermeisten Küchen reicht ein einziger Stein, und die Auswahl ist in zwei Minuten erledigt, wenn man weiß, worauf es ankommt.

 

Die Kurzantwort: welcher Stein für wen

 

  • Du willst deine Küchenmesser einfach wieder scharf bekommen: ein Kombistein 1000/3000 oder 1000/6000. Damit deckst du Schärfen und Nachpolieren in einem Stein ab. Das ist für über 90 Prozent der Haushalte die richtige und einzige nötige Anschaffung.
  • Du hast japanische Messer oder Damastklingen: ein Wasserstein 1000/6000. Die feinere Endkörnung passt zum härteren Stahl und holt aus einer VG-10-Klinge das heraus, wofür du sie gekauft hast.
  • Deine Klinge hat Ausbrüche oder ist komplett stumpf: zusätzlich ein grober Stein mit 200 bis 400. Den brauchst du selten, aber wenn, dann führt kein Weg daran vorbei.
  • Du schärfst unterwegs oder willst kein Wasser: ein Diamantstein. Schneller Abtrag, keine Einweichzeit, dafür weniger fein am Ende.

 

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Welche Körnung brauchst du wirklich

 

Die Körnung gibt an, wie fein die Schleifpartikel im Stein sind. Je höher die Zahl, desto feiner der Abtrag. Entscheidend ist: Eine hohe Zahl bedeutet nicht „besser“, sondern „später im Ablauf“. Ein 8000er Stein macht ein stumpfes Messer nicht scharf, er poliert nur eine Schneide, die bereits da ist.

 

Körnungstabelle: was welcher Bereich leistet

 

Körnung Bezeichnung Wofür Wie oft
120 bis 400 sehr grob Ausbrüche und Scharten entfernen, Klingengeometrie neu anlegen nur im Schadensfall
600 bis 800 grob stark stumpfe Klingen wieder aufbauen ein bis zwei Mal im Jahr
1000 bis 1500 mittel der Standardstein, stellt die Schärfe her alle ein bis drei Monate
3000 bis 4000 fein Schneide verfeinern, Grat sauber abtragen nach jedem 1000er-Durchgang
6000 bis 8000 sehr fein polieren bis zur Rasierschärfe, ideal für Damast und japanische Klingen optional
ab 10000 Polierstein Spiegelfinish, rein optisch und für Liebhaber selten

 

Warum die meisten mit 1000 und 3000 auskommen

 

Der 1000er macht die eigentliche Arbeit. Er baut die Schneide auf und ist der Stein, den du regelmäßig in der Hand hast. Der 3000er oder 6000er nimmt danach den Grat weg und glättet die Schneide, was vor allem dafür sorgt, dass die Schärfe länger hält.

Alles darunter ist Reparatur, alles darüber ist Feinschliff. Wer keine beschädigten Klingen hat und kein Rasiermesser abzieht, braucht beides nicht. Ein Kombistein mit zwei Seiten deckt den ganzen Alltag ab und kostet weniger als zwei Einzelsteine.

 

 

Wenn die Klinge beschädigt ist

 

Ausbrüche, umgelegte Schneiden oder eine Klinge, die auf einem Glasbrett gelitten hat, bekommst du mit einem 1000er nicht mehr repariert. Dafür brauchst du einen groben Stein. Der trägt schnell Material ab, hinterlässt aber eine raue Schneide, die anschließend zwingend über den 1000er und danach über einen feineren Stein muss.

 

 

Schleifstein oder Wetzstahl

 

Das ist die häufigste Verwechslung überhaupt, und sie kostet viele Klingen unnötig Substanz. Die kurze Antwort: Beide machen etwas völlig Verschiedenes, und du brauchst beide.

 

Was der Wetzstahl tatsächlich macht

 

Ein Wetzstahl schärft nicht. Er trägt kein nennenswertes Material ab. Was er macht, ist die feine Schneide wieder aufzurichten, die sich beim Schneiden mikroskopisch zur Seite legt. Deshalb wirkt ein Messer nach dem Wetzen sofort schärfer, obwohl gar nichts geschliffen wurde.

Das funktioniert allerdings nur, solange eine intakte Schneide vorhanden ist. Ist die Schneide abgerundet oder ausgebrochen, richtet der Wetzstahl nichts mehr auf, weil nichts mehr da ist.

 

Was der Schleifstein macht

 

Der Schleifstein trägt Material ab und erzeugt eine neue Schneide. Das ist der eigentliche Schärfvorgang. Er ist aufwendiger, dauert länger und kostet Klingenmaterial, aber er ist der einzige Weg zurück zu echter Schärfe.

 

Die klare Entscheidungsregel

 

  • Wetzstahl: alle paar Anwendungen, ein paar Züge, dauert Sekunden. Hält das Messer im Alltag auf Niveau.
  • Schleifstein: wenn der Wetzstahl keine Wirkung mehr zeigt. Je nach Nutzung alle ein bis drei Monate.
  • Wichtige Ausnahme: Bei sehr harten japanischen Klingen und Damastmessern mit VG-10-Kern ist der klassische Rillen-Wetzstahl aus Stahl ungeeignet, die Klinge kann ausbrechen. Dort greifst du zu einem Keramik-Wetzstab oder gehst direkt auf den Stein.

 

 

Ausführlich zu elektrischen Geräten und Wetzstählen findest du alles im Ratgeber Messerschleifer und Wetzstahl.

 

Wasserstein, Ölstein, Keramik oder Diamant

 

Neben der Körnung ist das Material die zweite Entscheidung. Sie fällt leichter, als die Auswahl vermuten lässt, weil sich die vier Typen klar nach Anwendungsfall trennen.

 

Wasserstein

 

Der Standard für Küchenmesser und der Stein, zu dem du greifen solltest, wenn du dich nicht festlegen willst. Er wird vor dem Schärfen in Wasser eingelegt. Dabei entsteht während der Arbeit eine feine Schleifschlämme, die den Abtrag beschleunigt und die Klinge schont.

 

  • Schneller Abtrag, dadurch weniger Aufwand pro Schärfvorgang
  • In allen Körnungen erhältlich, von 200 bis über 10000
  • Kein Öl nötig, Reinigung unter fließendem Wasser
  • Nachteil: Er nutzt sich schneller ab und muss regelmäßig abgerichtet werden

 

 

Japanische Wassersteine für japanische Klingen

 

Japanische Wassersteine sind weicher als europäische. Das klingt nach einem Nachteil, ist aber genau der Punkt: Ein weicherer Stein gibt kontinuierlich frische Schleifpartikel frei, statt zuzusetzen. Bei harten Klingen mit 60 HRC und mehr, wie sie in japanischen Messern und in Damastklingen mit VG-10-Kern verbaut sind, ist das der Unterschied zwischen sauberem Abtrag und Polieren ohne Wirkung.

Wenn du ein japanisches Messer oder ein Damastmesser hast, ist ein japanischer Wasserstein 1000/6000 die passende Wahl. Bei europäischen Klingen wie Wüsthof oder Zwilling mit rund 56 HRC brauchst du das nicht, dort reicht ein Standardstein.

 

 

Ölstein

 

Der klassische Stein aus der Werkstatt, benetzt mit Schleiföl statt Wasser. Das Öl verhindert, dass sich Metallabrieb im Stein festsetzt.

 

  • Sehr langlebig und formstabil, muss selten abgerichtet werden
  • Gleichmäßiges Schärfergebnis über Jahre
  • Nachteil: langsamerer Abtrag und Ölrückstände, die in der Küche stören

 

Für Küchenmesser ist der Ölstein die schlechtere Wahl. Für Werkzeug, Beitel und Jagdmesser ist er nach wie vor sinnvoll.

 

 

Keramikstein

 

Sehr hart, sehr fein, wartungsarm. Braucht weder Wasser noch Öl und behält seine Form über lange Zeit. Der Abtrag ist gering, deshalb eignet er sich zum Verfeinern, nicht zum Aufbauen einer Schneide. Als alleiniger Stein zu wenig, als letzter Schritt sehr gut.

 

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Diamantstein

 

Eine Metallplatte mit aufgebrachten Diamantpartikeln. Der schnellste Abtrag aller Varianten, keine Einweichzeit, absolut plan und damit nie abzurichten. Dafür endet die Feinheit meist bei rund 1200, für eine polierte Schneide brauchst du danach einen zusätzlichen feinen Stein.

Sinnvoll, wenn du selten schärfst und dann schnell fertig werden willst, oder für unterwegs.

 

 

Der richtige Schleifwinkel

 

Der Winkel entscheidet über das Verhältnis von Schärfe zu Stabilität. Flacher heißt schärfer, aber empfindlicher. Steiler heißt robuster, aber weniger scharf.

 

Winkel je Seite Passend für Eigenschaft
10 bis 12 Grad Rasiermesser, Sashimimesser maximal scharf, sehr empfindlich
15 Grad japanische Messer, Damastmesser, Santoku sehr scharf, für weiches Schneidgut
20 Grad europäische Küchenmesser, Kochmesser guter Kompromiss aus Schärfe und Standzeit
25 Grad Jagd- und Outdoormesser, Beile robust, hält auch bei harter Beanspruchung

 

Die Angabe bezieht sich immer auf eine Seite. Bei einem beidseitig geschliffenen Messer mit 15 Grad je Seite ergibt sich ein Gesamtwinkel von 30 Grad.

Eine einfache Kontrolle ohne Hilfsmittel: 45 Grad findest du, indem du das Messer senkrecht stellst und halbierst. Halbierst du noch einmal, bist du bei etwa 22 Grad. Für 15 Grad gehst du von dort noch etwas flacher. Wer es genau will, legt zwei gestapelte Ein-Euro-Münzen unter den Klingenrücken, das ergibt bei einem üblichen Kochmesser ungefähr 15 Grad.

Wichtig: Behalte den Winkel bei, den das Messer ab Werk hat. Ein japanisches Messer auf 20 Grad umzuschleifen kostet dich genau die Eigenschaft, für die du es gekauft hast.

 

Anleitung: Messer auf dem Schleifstein schärfen

 

  1. Stein vorbereiten. Wassersteine je nach Typ fünf bis fünfzehn Minuten wässern, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Ölsteine dünn mit Schleiföl benetzen. Keramik- und Diamantsteine trocken oder leicht angefeuchtet verwenden.
  2. Stein sichern. Auf ein feuchtes Tuch oder in einen Halter legen. Ein rutschender Stein ist die häufigste Verletzungsursache beim Schärfen.
  3. Mit der groben Seite beginnen. Bei einem Kombistein zuerst die niedrigere Körnung, also etwa 1000.
  4. Winkel anlegen und halten. Klinge im gewählten Winkel aufsetzen, mit zwei Fingern der freien Hand leichten Druck auf die Schneide geben.
  5. Ziehen, nicht schrubben. Die Klinge über den Stein führen, von der Ferse zur Spitze, dabei den Winkel konstant halten. Beim Zurückführen den Druck wegnehmen.
  6. Auf den Grat prüfen. Nach zehn bis fünfzehn Zügen mit dem Daumen quer über die Schneidkante fahren, nicht längs. Fühlst du einen feinen Grat auf der Gegenseite, hast du die Schneide erreicht. Erst dann die Seite wechseln.
  7. Seite wechseln und den Vorgang spiegelbildlich wiederholen, bis der Grat auf die andere Seite umschlägt.
  8. Feine Seite. Auf 3000 oder 6000 wechseln und mit deutlich weniger Druck weiterarbeiten. Hier wird der Grat abgetragen und die Schneide geglättet.
  9. Grat entfernen. Abschließend ein paar Züge auf einem Lederriemen oder abwechselnd links und rechts mit minimalem Druck über den feinen Stein.
  10. Testen. Ein sauber geschärftes Messer durchtrennt ein Blatt Papier, das du frei in der Hand hältst, ohne zu reißen.

 

Für Damastklingen im Detail, mit Videoanleitung, geht es weiter im Ratgeber Damastmesser schärfen. Keramikklingen folgen anderen Regeln, dazu mehr unter Keramikmesser schleifen.

 

Pflege: Abrichten, Reinigen, Lagern

 

Abrichten, der wichtigste Punkt

 

Jeder Wasserstein wird mit der Zeit in der Mitte hohl, weil dort am meisten gearbeitet wird. Auf einem hohlen Stein lässt sich kein gleichmäßiger Winkel halten, und die Schneide wird ballig statt scharf.

Das Abrichten stellt die plane Fläche wieder her, mit einem Abrichtstein oder einer Diamantplatte. Als Faustregel: bei regelmäßiger Nutzung nach jedem zweiten bis dritten Schärfvorgang. Ein einfacher Test ist ein Bleistiftgitter auf der Steinoberfläche. Nach dem Abrichten müssen alle Linien gleichmäßig verschwunden sein.

 

 

Reinigen

 

Nach jedem Gebrauch unter fließendem Wasser abspülen und die Schleifschlämme mit einer weichen Bürste entfernen. Kein Spülmittel, das setzt sich in den Poren fest. Bei Ölsteinen die Rückstände mit einem Tuch abnehmen und gelegentlich frisches Öl aufbringen.

 

Trocknen und lagern

 

Wassersteine vollständig durchtrocknen lassen, bevor sie weggeräumt werden, im Zweifel über Nacht. Ein noch feucht eingelagerter Stein kann schimmeln oder bei Frost reißen. Lagerung trocken und luftig, nicht in einer geschlossenen Plastikbox.

 

Häufige Fragen

 

Welche Körnung brauche ich, wenn ich nur einen Stein kaufe?

Einen Kombistein 1000/3000 oder 1000/6000. Die 1000er Seite schärft, die feine Seite glättet. Damit deckst du den kompletten Küchenalltag ab.

 

Wetzstahl oder Schleifstein, was brauche ich zuerst?

Den Schleifstein. Der Wetzstahl richtet nur eine vorhandene Schneide auf. Ist das Messer wirklich stumpf, hilft er nicht mehr.

 

Wie oft muss ich meine Messer schärfen?

Bei normaler Haushaltsnutzung alle ein bis drei Monate auf dem Stein, dazwischen bei Bedarf ein paar Züge mit dem Wetzstahl. Wer täglich kocht, kommt eher an den unteren Rand.

 

Kann ich Keramikmesser mit einem normalen Schleifstein schärfen?

Nein. Keramik ist härter als die Partikel in gewöhnlichen Schleifsteinen. Dafür brauchst du einen Diamantschleifer. Details dazu im Ratgeber Keramikmesser.

 

Muss ich einen Wasserstein wirklich vorher wässern?

Bei den meisten ja, fünf bis fünfzehn Minuten, bis keine Blasen mehr aufsteigen. Manche Steine sind als Splash-and-Go ausgewiesen, die brauchen nur kurz Wasser auf der Oberfläche. Steht das nicht ausdrücklich dabei, gilt wässern.

 

Warum wird mein Messer nach dem Schärfen nicht scharf?

Meist einer von drei Gründen: Der Winkel wurde nicht konstant gehalten, es wurde zu früh auf die feine Seite gewechselt bevor sich ein Grat gebildet hatte, oder der Grat wurde am Ende nicht abgetragen.

 

Welcher Schleifstein passt zu einem Damastmesser?

Ein japanischer Wasserstein mit 1000/6000. Der harte VG-10-Kern verträgt die feine Endkörnung und dankt es mit deutlich längerer Standzeit der Schärfe.

 

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